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Der sanfte Schlächter

Der sanfte Schlächter

 

Ein Städtlein tanzte – nur zum Schein.
Es wollt’ wie all die and’ren sein.
Doch der Menschen tosend Gelächter
weckte den einen, den sanftmütigen Schlächter.
Versunken im Wahn von Wein und Gezech’
taumelten sie wie ein gottlos Geschlecht.
Wie fallend’ Trauben vor der Reife,
verirrten sie sich in bitt’rer Schleife.
Und überdeckten sie dies auch mit Gespött und Hohn,
so wusste der Weise: Das Dunkel wartet schon.

Die Stadt war klein, doch treu dem Neid.
Ihr Volk zog los, bracht’ Sorg und Leid.
Übermut und falschen Glückes Feuer
schuf hassende, lüsterne Ungeheuer.
Sengend jagten sie durchs Land,
spielten Schätze and’rer in ihre Hand.
Verachtend der Freundschaft und der jungen Liebe Glück,
zerstörten sie Leben zu tausend, es gab kein zurück.
Zahllos fürchtend Hände zum Himmel gestreckt,
so wusste der Weise: Der sanfte Schlächter war geweckt.

Die Saat des Bösen ward zum Keimen gebracht.
Dunkles Chaos stand bevor, es war vollbracht.
Üble Gesellen zogen neben den Menschen her,
aus der kleinen Stadt wurde ein gewalt’ges Heer.
Böse Lieder hetzten nied’re Vasallen,
brandschatzen dem Blutdurst verfallen.
Die Stadt, einst Bollwerk all Stieseligkeit,
nun dunkles Licht wolllüsterner Grausamkeit.
Doch eines Morgens schritt der Schlächter heran,
so wusste der Weise: Ein neuer Frühling bricht an.

Nun fürchteten die Bewohner ihren innig Hort,
denn der sanfte Schlächter, er war nun dort.
Hob an die Sense, getaucht in Sternenstaub,
zerteilte Mauern, Bäume ließen ihr Laub.
Regen fiel herab, gerufen durch tausendundeinen Mund,
der Boden tat sich auf, riss all Volk in seinen Schlund.
Vergangen Opfer sangen, unschuldig und rein,
und die Stadt verging im Sonnenschein.
Land ward neugeboren in Licht und Morgentau,
und so wusste der Weise: Die Natur nimmt’s ganz genau.

 

06.09.2001

 
  Autor: Thomas Neumeier  
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