Chantah - Der Zauber am schwindenden Horizont
 
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Das Jahr der weißen Feuer

Das Jahr der weißen Feuer

Es war das Jahr des Feuers,
das Jahr, in dem die Berge sangen,
und die Gezeiten um ihr Vorrecht rangen,
das Jahr eines großen Abenteuers.

Es war das Jahr wilder Stürme,
Avion, Stadt zahlloser Schönheiten wandte sich im Wind,
wie eine stolz weinende Mutter - im Schoße ihr Kind,
doch nichts brach Avions Türme.

Ein Geheimnis umgab jenes Jahr.
Die Länder waren in Aufruhr, die Luft - so intensiv,
es brannten weiße Feuer, und die Wolken zogen tief,
und die Bäume tauten immerdar.

So zogen wir los, das Geheimnis zu ergründen.
Wackere Wanderer, von Neugier getrieben,
begann unser Weg, an der Zahl waren wir sieben
... und eines Tages würden wir davon künden.

Künden von all den Wundern, die wir sehen wollten.
Reisen durch das Tal der Vergessenen
und die Schlucht der Besessenen,
waren es vielleicht die Götter, die uns Tribut zollten?

Unsere Reise führte durch Täler und Schluchten,
durch das Reich der Vampire
und das Land der wilden Tiere,
dann nach Süden, entlang der versteckten Buchten.

Weißer Sand, der wie ein Hauch aus Seide uns bedeckte,
gischtende Wasser, Einigkeit...
wie ein Rinnsal von Ewigkeit,
und keine dunkle Wolke, die die Sonne verdeckte.

Die feine Meeresluft wusch Herz und Seele rein.
Und als unser Trupp weiter durch die Dünen zog,
sich der legendäre Tempel vergangener Macht erhob,
umgeben von Gärten aus rotem Wein.

Wir waren unserer Heimat weit fern.
Für Avion – doch würden wir zurückkehren, vielleicht schon bald.
Doch war da dies Geheimnis, das es zu lüften galt.
Und wir lebten dieses Abenteuer gern.

Wir reisten weiter, der Sehnsucht entgegen.
Wir bestiegen Berge! Flogen auf der Drachen Rücken!
Nichts! Nichts könnte ein freies Herz mehr entzücken.
Wir verspürten die Freiheit, so kalkül, so verwegen.

Wir überflogen ein Meer aus Schilf.
Wir begeneten Händlern in fliegenden Schiffen,
Piraten - die aber nicht wagten, dass sie uns angriffen,
denn unsere Drachen waren unser Gehilf.

Wir landeten in einem fernen Land, Kaldonia genannt.
Wir wanderten weiter, entkamen einigen Ungeheuern,
und abends saßen wir zusammen an großen Lagerfeuern.
Und wir waren stolz, in uns hat die Sehnsucht gebrannt.

In einer Stadt bestiegen wir ein Schiff.
Segelten vorbei an den Phrekron-Inseln, tote Inseln, wie die Alten sagten,
gewaltige Inseln, deren feuerspeiende Berge steil aus dem Ozean ragten.
Doch im Sturm liefen wir auf ein Riff.

Die Strudel zogen uns hinaus ins Meer.
Geklammert an Balken, schlugen die Wellen. Wofür mussten wir sühnen?
Doch schon am nächsten Morgen strandeten wir an sandigen Dünen,
das Schicksal führte uns her.

Ein Paradies – Milch und Honig flossen in Fülle,
über den Bergen stand die Sonne,
kaltes Bergquellwasser... diese Wonne!
Nicht mit Worten zu beschreiben war diese Idylle.

Wir spürten, das Geheimnis war nah.
Wir zogen die Berge hinauf, dann führte uns ein Fluss gar weit
zu den Enden unserer Welt, jenseits der Ebenen von Raum und Zeit.
Nun wussten wir, wir waren da!

Wir sahen eine schwarze Kuppel auf eines singenden Berges Spitze,
bizarre, geisterhaft tanzende Flammen umkreisten sie, getauft in Licht.
Wie Kormorane schwebten wir durch die Nebel zu der Kuppel Angesicht.
Ein heißer Atem umwehte uns, wir wurden getauft – in Glut und Hitze.

So standen wir vor den Pforten des Seins.
Wir waren erkoren,
nicht verloren,
und wir wussten, im Jenseits sind wir wieder eins.

Wir starrten ins Licht, als bunte Kristalle vom Himmel fielen.
Wie ein Donner von apokalyptischer Macht,
zeigten sie uns sodann ihr wahres Selbst in aller Pracht,
als tausende Augen aus den Flammen schielten.

Was dann geschah, entzog sich unserer Sinne Verstand.
Wir erwachten am Wasser im weißen Sand,
vor uns schwebte ein Schiff – erbaut von Geisterhand,
so flogen wir zurück nach Avion, in unser Heimatland.

Es war das Jahr großen Strebens,
das Jahr des weißen Feuers,
das Jahr unseres großen Abenteuers,
das schönste Jahr meines Lebens.

10.09.2001

 
  Autor: Thomas Neumeier  
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